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Welche Features machen den Menschen aus ?

Welche Features machen den Menschen aus ?

Warum geben wir Menschen immer mehr Labels und ordnen ihnen bestimmte Eigenschaften zu? Und warum wundern wir uns anschließend darüber, dass Vorurteile entstehen und Menschen andere nur noch in Schubladen sehen?

In der Informatik insbesondere in der Künstlichen Intelligenz und in Data Science beschäftigen wir uns ständig mit Labels, Features und Klassifikationen. Wir überlegen, welche Merkmale relevant sind, um ein Problem zu lösen oder ein Modell zu trainieren. Labels und Features helfen dabei, Ordnung zu schaffen und komplexe Sachverhalte zu vereinfachen.

Das ist sinnvoll. Ohne Klassifikation wären viele wissenschaftliche Erkenntnisse und moderne KI-Systeme gar nicht möglich.

Doch Menschen sind keine Datensätze.

Im gesellschaftlichen Alltag stellt sich eine andere Frage: Welche Features sind überhaupt die richtigen, um einen Menschen zu beurteilen und zu beschreiben?

Ist das Geschlecht relevant? Die Körpergröße? Das Gewicht? Das Alter? Die Herkunft? Oder sind Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Zuverlässigkeit viel wichtiger obwohl sie deutlich schwerer zu erkennen sind?

Problematisch wird es, wenn wir Menschen aufgrund weniger Merkmale beurteilen oder behandeln. Ein Label beschreibt lediglich eine Kategorie, und ein Feature beschreibt lediglich eine Eigenschaft. Beides beschreibt niemals den ganzen Menschen.

Vor Kurzem musste ich eine Wohnung suchen. Mir wurde gesagt, dass bevorzugt eine Frau gesucht werde. In diesem Moment spielte nicht meine Persönlichkeit, meine Zuverlässigkeit oder mein Verhalten eine Rolle, sondern zunächst das Feature „Geschlecht“ beziehungsweise das Label „männlich“. Das hat mich nachdenklich gemacht.

Ist das fair? Wollen wir als Gesellschaft Menschen anhand einzelner Merkmale unterschiedlich behandeln? Oder sollten wir versuchen, den Menschen hinter den Merkmalen zu sehen?

Die Geschichte zeigt, wie gefährlich es werden kann, wenn Menschen auf wenige Eigenschaften reduziert und ganze Gruppen pauschal bewertet werden. Die Verbrechen des Nationalsozialismus waren ein extremes Beispiel dafür, wohin eine Ideologie führen kann, die Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale unterschiedlich bewertet. Ich möchte heutige Situationen damit nicht gleichsetzen. Mir geht es um das grundlegende Prinzip: Sobald wir beginnen, Menschen auf Kategorien oder einzelne Eigenschaften zu reduzieren, besteht die Gefahr, das Individuum aus dem Blick zu verlieren.

Vielleicht sollten wir deshalb häufiger fragen, ob wir überhaupt die richtigen Features betrachten. Denn ein Mensch ist weit mehr als die Summe seiner Eigenschaften und kein Datensatz, der sich vollständig klassifizieren lässt.